Wenn ich auf Borkum mit Vermietern über Portalgebühren spreche, kommt fast immer derselbe Satz: "Ich weiß gar nicht genau, was am Ende hängen bleibt." Das liegt nicht an schlechtem Rechnen. Es liegt daran, dass die beiden großen Portale ihre Gebühren unterschiedlich aufbauen und nicht jede Zahl öffentlich gleich klar steht. Hier sortiere ich, was belegt ist und was nur kursiert.
Was zahle ich bei Airbnb als Gastgeber?
Airbnb hat das Gebührenmodell vereinfacht. Statt einer Aufteilung zwischen Gast und Gastgeber gibt es eine zusammengefasste Servicegebühr, die der Gastgeber trägt. Airbnb nennt dafür 15,5 Prozent der Buchungszwischensumme (Airbnb Resource Center). Dieselbe Zahl steht in einer zweiten Airbnb-Information vom März 2026 (Airbnb).
Wichtig ist der Bezugspunkt: Die Gebühr rechnet sich auf die Zwischensumme, also üblicherweise Übernachtungspreis plus Zusatzposten wie Reinigung, nicht auf Steuern. Wer früher mit rund drei Prozent Gastgebergebühr kalkuliert hat, rechnet heute anders. Der Gast sieht dafür einen Preis, in dem weniger separat aufgeschlagen wird.
Wie viel behält Booking.com von einer Buchung ein?
Hier wird es unübersichtlich. Booking.com arbeitet provisionsbasiert, der Satz hängt aber von Standort, Unterkunftstyp und Vereinbarung ab. Für Deutschland wird häufig ein Standardsatz von 12 Prozent genannt, wobei einzelne Märkte wie Berlin höher liegen (Fewolino). Lodgify nennt für Deutschland außerhalb größerer Städte ebenfalls 12 Prozent und für Berlin sowie viele weitere Märkte 15 Prozent (Lodgify).
Marktübersichten gehen weiter: Ferienhausmiete.de beschreibt für Booking.com eine Spanne von 12 bis 18 Prozent und weist darauf hin, dass bei Nutzung der Zahlungsabwicklung weitere Gebühren dazukommen können (Ferienhausmiete.de). Das sind Drittanbieterangaben, keine offizielle Preisliste. Deshalb schreibe ich bewusst nicht "Booking.com verlangt immer X Prozent".
| Portal | Genannter Satz | Quelle |
|---|---|---|
| Airbnb | 15,5 Prozent, zusammengefasste Gastgebergebühr | Airbnb, Juli 2026 |
| Booking.com Deutschland | häufig 12 Prozent, in einzelnen Märkten 15 Prozent | Fewolino und Lodgify, 2026 |
| Booking.com Spanne | 12 bis 18 Prozent je nach Modell | Ferienhausmiete.de, September 2026 |
Warum liegt mein tatsächlicher Anteil oft höher?
Weil die Grundprovision selten die einzige Position ist. Drei Punkte tauchen in der Praxis regelmäßig auf:
Zahlungsabwicklung. Bei "Payments by Booking.com" nennt Lodgify eine zusätzliche Bearbeitungsgebühr von 1,1 bis 3,1 Prozent (Lodgify). Das ist eine Drittanbieterangabe, kein amtlicher Satz, aber ein guter Grund, den eigenen Auszug genau zu lesen.
Zusatzprogramme. Für das Preferred-Partner-Programm werden zusätzliche Prozentpunkte beschrieben, wodurch ein effektiver Anteil von 16 bis 18 Prozent entstehen kann (Belumedia). Das gilt nicht automatisch für jede Unterkunft.
Rabatte und Aktionen. Wer Mobil-, Wochen- oder Frühbucherrabatte aktiviert, senkt die Basis, auf die du selbst kalkuliert hast. Die Provision bleibt prozentual, dein Deckungsbeitrag sinkt zusätzlich.
Rechne einmal im Jahr rückwärts: Nimm deine Portalabrechnungen der letzten zwölf Monate und teile die gesamten Gebühren durch den gesamten Bruttoumsatz aus diesem Portal. Diese Prozentzahl ist ehrlicher als jeder veröffentlichte Standardsatz.
Was heißt das für eine Insel-Wohnung in Zahlen?
Ein einfaches Beispiel, mit selbst gewählten Annahmen, nicht mit erhobenen Marktdaten. Nimm eine Wohnung auf Borkum mit 20.000 Euro Übernachtungsumsatz im Jahr über ein Portal.
Bei 12 Prozent Provision bleiben 2.400 Euro beim Portal.
Bei 15 Prozent sind es 3.000 Euro.
Bei 15,5 Prozent, wie Airbnb sie angibt, sind es 3.100 Euro.
Kommen 2 Prozent Zahlungsabwicklung dazu, sind es rund 400 Euro mehr.
Der Unterschied zwischen 12 und 17,5 Prozent sind in diesem Beispiel 1.100 Euro im Jahr. Das ist kein Betrag, der dein Geschäft rettet oder ruiniert. Aber es ist ungefähr eine Heizungswartung plus neue Matratzen. Deshalb lohnt der Blick.
Kann ich die Provision durch Direktbuchungen vermeiden?
Teilweise ja, aber nicht kostenlos. "Provision sparen" ist ein Standardclaim von Website- und Softwareanbietern, und er stimmt nur, wenn du die Gegenseite mitrechnest. Eine eigene Direktbuchungsstrecke kostet dich:
01Website und Pflege, laufend, nicht einmalig.
02Ein Buchungssystem mit Kalenderabgleich zu den Portalen, damit keine Doppelbelegung entsteht.
03Zahlungsabwicklung, die ebenfalls Gebühren hat.
04Deine Zeit für Anfragen, Bestätigungen und Rückfragen, falls du nichts automatisierst.
Realistisch ist ein Mischmodell: Die Portale bringen dir neue Gäste, vor allem in Randzeiten. Stammgäste buchen direkt. Wer auf Borkum zum dritten Mal dieselbe Wohnung bucht, braucht kein Portal, sondern eine klare Buchungsmöglichkeit auf deiner Seite und eine Antwort, die nicht drei Tage dauert. Wie sich das gegenüberstellt, habe ich im Beitrag zur eigenen Buchungsseite ausführlicher aufgeschrieben.
Kündige kein Portal, bevor dein Direktkanal nachweislich funktioniert. Erst messen, wie viele Anfragen direkt kommen, dann über Reichweite entscheiden.
Welche Zahl gilt jetzt für mich?
Die ehrliche Antwort: die aus deinem Vertrag. Airbnb kommuniziert 15,5 Prozent öffentlich und einheitlich. Bei Booking.com widersprechen sich die auffindbaren Angaben, weil Standort, Unterkunftstyp und Programme hineinspielen. Öffne dein Extranet, schau in die Vereinbarung und in die letzten Abrechnungen. Erst dann weißt du, ob du bei 12, 15 oder 18 Prozent liegst.
Und wenn du feststellst, dass dich nicht die Provision stört, sondern die Zeit für Anfragen, Bestätigungen und Anreiseinfos: Dann ist das ein anderes Problem und meist leichter zu lösen als der Absprung vom Portal.
Wenn du wissen willst, wo bei dir konkret Geld und Zeit hängen bleiben, kannst du einen Digital-Check anfragen: 290 Euro netto, bei einer Umsetzung angerechnet. Ich schaue mir mit dir deine Abrechnungen und deinen Buchungsweg an, und danach musst du dich für nichts weiter entscheiden.



